Nur Kosten oder auch viel Nutzen?
Forschungsprojekt der Hochschule Esslingen zur gesundheitsökonomischen Analyse des Expertenstandards Ernährungsmanagement legt Ergebnisse vor
Herzliche Einladung zum Fachtag am 7. März 2012 im Genohaus Stuttgart !
Die Anwendung des Expertenstandards „Ernährungsmanagement zur Sicherstellung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege“ zielt darauf ab, pflegebedürftigen und kranken Menschen eine bedürfnisorientierte und bedarfsgerechte Ernährung zu gewährleisten und frühzeitig eine drohende Mangelernährung zu erkennen und zu verhindern (DNQP 2009). Die Bedeutung des Themas Ernährung für alte und pflegebedürftige Menschen in stationären Pflegeeinrichtungen ist groß. Eine unzureichende Ernährung wird mit einer zunehmenden Morbidität, einer verminderten Lebensqualität und einer erhöhten Mortalität in Verbindung gebracht (Volkert 2004). Unbestritten ist die Notwendigkeit, die pflegerische Arbeit zur Vermeidung von Ernährungsdefiziten nach hohen fachlichen Maßstäben zu gestalten.
Gleichwohl stellen sich den Pflegeeinrichtungen bei wachsenden Anforderungen und der zunehmenden Notwendigkeit eines gewissenhaften Ressourcenmanagements wichtige Fragen:
- Führt das „Arbeiten nach Expertenstandard“ Ernährungsmanagement tatsächlich zu einer verbesserten Versorgungssituation der Bewohnerinnen und Bewohner und somit zur Reduktion des Vorkommens von Mangelernährung?
- Lässt sich aufgrund der Umsetzung des Expertenstandards Ernährungsmanagement eine Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität bei den Bewohnerinnen und Bewohnern feststellen?
- Welche Kosten (z. B. Personal- und Sachkosten) entstehen durch die Einführung und Umsetzung des Expertenstandards „Ernährungsmanagement“ und wie ist das Verhältnis von Kosten und Nutzen zu bewerten?
Die Forschungsgruppe EVE der Hochschule Esslingen unter der Leitung von Prof. Dr. Reinhold Wolke hat in 20 Pflegeeinrichtungen des Altenhilfeträgers Samariterstiftung in Württemberg eine prospektive Fall-Kontroll-Studie durchgeführt. Hierbei werden Merkmale zum Gesundheitszustand und zur Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner in Einrichtungen, die den Expertenstandard eingeführt haben (Interventionsgruppe), mit den Ergebnissen in Einrichtungen verglichen, die den Expertenstandard Ernährungsmanagement versetzt einführen (Kontrollgruppe). Um Fehlschlüsse zu vermeiden, ist vorauszusetzen, dass die Pflegeeinrichtungen der Interventions- und Kontrollgruppe unter identischen Bedingungen handeln und in ihren strukturellen Gegebenheiten vergleichbar sind. Die Datenerhebungen fanden in zwei Zeitkorridoren in den Jahren 2010 und 2011 statt. Parallel hierzu wurden die Personal- und Sachkosten, die durch die Einführung des Expertenstandards Ernährungsmanagement entstanden sind, erfasst.
Die ersten Ergebnisse im Forschungsprojekt zur gesundheitsökonomischen Analyse des Expertenstandards Ernährungsmanagement zeigen, dass
- Ernährungsprobleme bei den Bewohnerinnen und Bewohnern der beteiligten stationären Pflegeeinrichtungen und das Risiko einer Mangelernährung ein häufiges Phänomen sind. Die ermittelten Fallzahlen bestätigen die Erkenntnisse zum Vorkommen von Mangelernährung in früheren Studien (vgl. z. B. Pauly et al. 2006).
- die Anzahl der Bewohnerinnen und Bewohner, bei denen ein Risiko für Mangelernährung vorliegt, ist in den Kontrolleinrichtungen signifikant höher im Vergleich zu den Pflegeeinrichtungen der Interventionsgruppe.
Weitere Untersuchungen zu gesundheitsbezogenen Merkmalen wie z. B. Gewichtsverläufe, Sturz- und Dekubitusraten, Arztkontakte und Mortalitätsraten werden derzeit vorgenommen.
Gleichzeitig wird im Forschungsprojekt zur gesundheitsökonomischen Analyse des Expertenstandards Ernährungsmanagement aufgezeigt, welche Kosten durch die Einführung des Expertenstandards entstanden sind und in welchem Verhältnis diese zum Nutzen stehen. Die Kosten werden unter zwei Gesichtspunkten betrachtet:
- Kosten des Einführungsprozesses, z. B. Arbeitszeit für die Teilnahme an Schulungen und Projektaufgaben (opportune Personalkosten) sowie Sachkosten und
- Kosten für die dauerhafte Umsetzung im Routinebetrieb, z. B. Arbeitszeit für die Anwendung des PEMU, für Beratungen, für neu etablierte Kommunikationsstrukturen im Zusammenhang mit der Ernährung, Krankenhausaufenthalte und Arztvisiten im Pflegeheim.
Einsparungen werden ebenfalls erfasst und kalkuliert.
Die detaillierten Ergebnisse des Forschungsprojektes werden auf einer Fachtagung am 7. März 2012 im Genohaus, Stuttgart vorgestellt und mit Vertreterinnen und Vertretern der Spitzenverbände, der Politik und Wissenschaft sowie dem Fachpublikum diskutiert.
Weitere Informationen und Anmeldungen zum Fachtag "Expertenstandard Ernährungsmanagement"







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