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EVE - EvaluationErnährung in der Samariterstiftung - das Projektteam stellt sich und seine Arbeit vor

Das Thema Ernährung ist in stationären Pflegeeinrichtungen von großer Bedeutung. Alte und pflegebedürftige Menschen sind häufig von Mangelernährung bedroht. Die Ursachen für dieses erhöhte Risiko können mit krankheits-, therapie- und altersbedingten Einschränkungen erklärt werden. Mangelernährung ist oftmals verbunden mit einer erhöhten Morbidität (Vorkommen von Krankheiten) und Mortalität (Sterblichkeit) und bedeutet für die betroffenen Menschen nicht selten eine verringerte Lebensqualität (DNQP 2009).

Der Expertenstandard „Ernährungsmanagement zur Sicherstellung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege“ beschreibt den pflegerischen Beitrag zur Ernährung von pflegebedürftigen Menschen und zielt darauf ab, eine bedürfnisorientierte und bedarfsgerechte orale Ernährung sicherzustellen und zu fördern und Mangelernährung frühzeitig zu erkennen und zu verhindern (DNQP 2009). Zwei Wohnbereiche des Samariterstifts Leonberg waren im Jahr 2009 Modelleinrichtung bei der Entwicklung dieses Expertenstandards und haben unter wissenschaftlicher Begleitung des DNQP den Expertenstandard „Ernährungsmanagement“ modellhaft eingeführt und erprobt.

An diese Erfahrungen möchte das wissenschaftliche Team mit dem Forschungsprojekt „Gesundheitsökonomische Analysen zum Nationalen Expertenstandard Ernährungsmanagement zur Sicherstellung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege“ (EValuationErnährung) der Hochschule Esslingen anknüpfen. Projektleiter ist Prof. Dr. Reinhold Wolke, wissenschaftliche Mitarbeiter sind Christine Allgeier und Andreas Frank. Barbara Lauffer-Spindler ist die Projektverantwortliche in der Samariterstiftung. Das Projekt wird durch das Programm „Innovative Projekte an Hochschulen Baden-Württembergs“ finanziert; die Projektlaufzeit ist 15.02.2010 - 31.01.2012.

Die Expertenstandards in der Pflege werden seit 2001 vom DNQP entwickelt und finden in Wissenschaft und Praxis hohe Resonanz. Sie werden seit der Pflegerechtsreform 2008 im § 113 des Sozialgesetzbuches XI ausdrücklich als Qualitätsinstrumente genannt und die Einrichtungen sind gesetzlich verpflichtet, diese anzuwenden. Angesichts dieser großen Bedeutung der Expertenstandards für die Altenhilfe ist ihre Überprüfung unbedingt sinnvoll. Es stellt sich die Frage, sowohl für Leitungspersonen als auch für die Pflegenden, ob das pflegerische Arbeiten „nach Standard“ wirksam und zugleich effizient ist - insbesondere unter Alltagsbedingungen. Bisher wurden allerdings lediglich die beiden Themen Dekubitusprophylaxe und Kontinenzförderung unter gesundheitsökonomischen Gesichtspunkten evaluiert (Wolke et al. 2007; Wolke 2009).

Das Ziel im Forschungsprojekt EVE ist es, herauszufinden, ob der Expertenstandard „Ernährungsmanagement“ in seiner tatsächlichen Anwendung unter Alltagsbedingungen wirksam ist und welchen Nutzen er bringt. Als wirksam gilt der Standard beispielsweise dann, wenn nach der Einführung des Standards deutlich weniger Bewohnerinnen und Bewohner von Mangelernährung betroffen sind und der Verdacht auf Mangelernährung deutlich seltener vorliegt. Da Mangelernährung und der allgemeine Gesundheitszustand bei alten pflegebedürftigen Menschen sehr eng zusammenhängen, sollte sich die Anwendung des Expertenstandards auch auf Aspekte wie z.B. Krankenhauseinweisungen, Entstehung von chronischen Wunden oder Sturzraten positiv auswirken. Ebenso kann man vermuten, dass die Lebensqualität nach der Einführung von Bewohnerinnen und Bewohnern subjektiv höher eingeschätzt wird.

Um den Nutzen des Standards umfassend beurteilen zu können, muss auch die Frage beantwortet werden, wie viel die Einführung und Umsetzung des Standards kostet; gemeint sind beispielweise Personal- und Sachkosten für Schulungsmaßnahmen oder ein veränderter Zeitaufwand für Arbeiten, die im Zusammenhang mit der Ernährung stehen. Die exakte Evaluation (Überprüfung) des Standards erfolgt über den Vergleich verschiedener Kriterien, die vom wissenschaftlichen Projektteam aktuell noch erarbeitet werden und die im Zusammenhang mit der Gesundheit und der Lebensqualität von Bewohnerinnen und Bewohner stehen müssen.

Das gesamte Vorgehen entspricht einer sogenannten Fall-Kontroll-Studie; das heißt die Ergebnisse der Einrichtungen, die den Expertenstandard eingeführt haben (diese Einrichtungen gehören zur Fallgruppe), werden mit den Ergebnissen derjenigen Einrichtungen verglichen, die den Standard zeitlich versetzt einführen werden (diese Einrichtungen gehören dann zur Kontrollgruppe). Damit dieser Vergleich wissenschaftlich gerechtfertigt werden kann und nicht „Äpfel mit Birnen“ verglichen werden, müssen Fall- und Kontrollgruppe grundsätzlich vergleichbare Bedingungen haben. Deshalb werden bei der Zuteilung, welche Einrichtungen demnächst einführen werden und welche Einrichtungen erst später, neben den Wünschen der Einrichtung auch deren Vergleichbarkeit berücksichtigt.

Für die Datengewinnung werden Mitarbeiter/innen und Bewohner/innen befragt und die Pflegedokumentation (sic) analysiert. Zur Erhebung aller notwendigen Daten und Informationen wird das wissenschaftliche Team gemeinsam mit Studentinnen und Studenten der Hochschule Esslingen mit Fragen auf die Einrichtungen zukommen. Selbstverständlich werden die Termine mit den jeweiligen Ansprechpartnern vorab vereinbart. Grundsätzlich gibt es im Projekt für die Datenerhebung drei verschiedene Anlässe:

· Einteilung der Einrichtungen in Fall- und Kontrollgruppe (im März/April 2010, nur telefonisch)

· Informationssammlung über Gesundheit/Lebensqualität von Bewohnerinnen und Bewohner, vor Einführung und Umsetzung des Standards (im Mai/Juni 2010)

· Informationssammlung über Gesundheit/Lebensqualität von Bewohnerinnen und Bewohner, nach Einführung und Umsetzung des Standards (2011).

Prof. Dr. Reinhold Wolke, Christine Allgeier und Andreas Frank freuen sich auf die Zusammenarbeit mit allen beteiligten Mitarbeiter/innen! Bei Fragen und Anregungen können Sie sich sehr gerne an das Team wenden:

Telefon: 0711/397-4555 oder 4556 oder email christine.allgeier@hs-esslingen.de

Literatur:

Wolke, Reinhold (2009)

Umsetzung der gesundheitsökonomischen Evaluation in der Pflege: Analyse von Kosten und Nutzen der Einführung des Nationalen Expertenstandards „Förderung der Harnkontinenz in der Pflege“

Jacobs Verlag, Lage

Wolke, Reinhold, Hennings, Dagmar, Scheu, P (2007)

„Gesundheitsökonomischen Evaluation in der Pflege: Analyse von Kosten und Nutzen der Einführung des Nationalen Expertenstandards Dekubitusprophylaxe in der Pflege in einer Stationären (Langzeit-) Pflegeeinrichtung“

Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, S. 158-177

DNQP (2009)

Expertenstandard Ernährungsmanagement zur Sicherstellung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege

Eigendruck, Osnabrück


  

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