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Der "Expertenstandard Sturzprophylaxe" ist im Samariterstift Zuffenhausen erfolgreich umgesetzt

Stürze sind vor allem für ältere Menschen ein hohes Gesundheitsrisiko
Samariterstiftung aktiv gegen Stürze durch Qualitätsentwicklung in der Pflege

Von Barbara Lauffer-Spindler

Zusammenfassung:
Die Samariterstiftung fördert aktiv die Qualitätsentwicklung in der Pflege und beteiligt sich am bundesweiten „Implementierungsprojekt Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege“

Die modellhafte Implementierung des „Expertenstandards Sturzprophylaxe“ im Samariterstift Zuffenhausen unter wissenschaftlicher Begleitung des DNQP ist in vollem Gange

Expertenstandard wird auf den Wohngruppen umgesetzt.
Erste Ergebnissen zum Umsetzungsgrad und der Praxistauglichkeit des 4. Expertenstandards in der Pflege liegen vor

Das Thema „Stürze“ rückt mit seiner hohen Relevanz zunehmend ins Bewusstsein von Pflegenden und Medizin. Stürze stellen vor allem bei älteren Menschen ein hohes Gesundheitsrisiko dar, welches nicht selten zu massiven Einschränkungen bis hin zur Bettlägerigkeit führt. Vor diesem Hintergrund bietet der „Expertenstandard Sturzprophylaxe“ den spezifischen professionellen Beitrag der Pflege zur Sturzvermeidung und wurde jetzt vom Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) veröffentlicht.

Expertenstandards werden als brauchbare Instrumente von der Pflegewissenschaft für die Praxis entwickelt. Sie legen ein begründetes und professionelles Leistungsniveau fest und leisten somit einen wichtigen Beitrag zur Qualitätsentwicklung in der Pflege. Expertenstandards werden unter der Leitung des DNQP von ausgewiesenen Fachexperten aus Wissenschaft und Praxis erarbeitet. Der „Expertenstandard Sturzprophylaxe“ ist der Vierte seiner Art nach Dekubitusprophylaxe, Entlassungsmanagement und Schmerzmanagement. Er beschreibt das Aufgabenspektrum einer professionellen pflegerischen Sturzprophylaxe (vgl. DNQP 2005, 5).

Modellhafte Implementierung des „Expertenstandards Sturzprohylaxe“

Expertenstandards in der Pflege werden im Rahmen von Implementierungsprojekten auf ihre Praxistauglichkeit überprüft. Die Samariterstiftung beteiligt sich seit Januar aktiv an der modellhaften Implementierung des Expertenstandards Sturzprophylaxe in der Pflege. Das Samariterstift Zuffenhausen wurde hierbei als eine von 24 Einrichtungen bundesweit ausgewählt. Das Modellprojekt lief von Januar bis Juni 2005.

Das Qualitätsniveau von Expertenstandards ist hoch und wissenschaftlich begründet. Neueste Erkenntnisse der nationalen und internationalen Forschung und Wissenschaft werden bei der Entwicklung auf ihren wissenschaftlichen Gütegrad überprüft und entsprechend ihres Evidenzgrades (Evidenz = wissenschaftlicher Beweis) als Grundlage von Expertenstandards verwendet. Expertenstandards ermöglichen „evidenzbasierte Pflege“ d. h. die Pflegefachkraft handelt theoriegeleitet auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse. Für den Expertenstandard Sturzprophylaxe heißt dies, dass die Pflegefachkraft Verantwortung für ein systematisches Vorgehen übernimmt und pflegerische Interventionen einleitet, die wissenschaftlich nachweisbar zu einer Vermeidung und Verringerung von Stürzen beitragen. Der Anspruch, der sich mit Expertenstandards verbindet, ist hoch und erfordert die Anstrengung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf allen Ebenen, um ein Gelingen der Umsetzung zu erreichen (vgl. DNQP, 2005, 5).

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Samariterstift Zuffenhausen sind diese anspruchsvolle Aufgabe motiviert und mutig angegangen. Das Management in Zuffenhausen stand von Anfang an den Beteiligten engagiert zur Seite. Zeitliche und finanzielle Ressourcen waren notwendig um eine Umsetzung zu ermöglichen.

Für das Samariterstift Zuffenhausen bedeutete dies, umfassende Schulungsmaßnahmen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der direkten Bewohnerversorgung zu den Themen Sturzrisikofaktoren und Interventionen zur Sturzprophylaxe durchzuführen. Für die Pflegefachkräfte kamen spezifische Schulungen zur Beratungskompetenz hinzu. Beratungskompetenz ist ein grundlegendes Anforderungskriterium im Expertenstandard Sturzprophylaxe und spielt bei der individuellen Maßnahmenplanung eine entscheidende Rolle. Vielfältige Maßnahmen im Samariterstift Zuffenhausen wurden umgesetzt und einige sollen exemplarisch genannt werden:

 Systematische Erfassung aller Bewohnerinnen und Bewohner bezüglich ihrer individuellen Sturzrisikofaktoren sowie Erarbeitung, Beratung und Umsetzung der individuellen Maßnahmen
 Kritische Begutachtung der gesamten Einrichtung bezüglich umgebungsbezogener Sturzfaktoren und deren Beseitigung
 Einführung eines Kraft- und Balancetrainings für alle gehfähigen Bewohnerinnen und Bewohner
 Systematische Sturzerfassung und deren Analyse mit Hilfe des Sturzereignisprotokolls
 Entwicklung und Einführung eines Instrumentes zur systematischen Sturzrisikoanamnese, Beratung und Erstellung des Individuellen Maßnahmenplanes. Dieses Instrument dient gleichzeitig der Dokumentation des gesamten Prozesses
 Veranstaltung von Informationsabenden für Bewohner und Angehörige zum Thema mit der Vorstellung von prophylaktischen Maßnahmen z. B. Hüftprotektoren, Stoppersocken, Kraft- und Balancetraining etc.
 Konsequente Zusammenarbeit mit den beteiligten Berufsgruppen

Die Aufzählung der Aktivitäten kann hier nicht abschließend erfolgen. Aus Sicht der Wissenschaftler des DNQP ist das bisherige Vorgehen in der Samariterstiftung sehr gelungen und das Projektteam konnte dadurch in ihrer Arbeit bestärkt werden.

Ziele und Chancen

Mit dem anspruchsvollen Implementierungsprojekt Expertenstandard Sturzprophylaxe wird die Grundlage für eine stiftungsweite Umsetzung des Expertenstandards geschaffen. Wichtige Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Modellvorgehen in Zuffenhausen können direkt in ein stiftungsweites Implementierungskonzept einfließen und die Implementierung in den weiteren 15 Heimen der Samariterstiftung erleichtern. Die Samariterstiftung zeigt mit der konsequenten Einführung, der für die Altenhilfe relevanten Expertenstandards, ihr hohes Qualitätsniveau und ihr Verantwortungsgefühl gegenüber Bewohnerinnen und Bewohnern sowie gegenüber ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Der Expertenstandard Sturzprophylaxe ermöglicht den Bewohnerinnen und Bewohner in der Samariterstiftung ein höheres Maß an Lebensqualität durch den Erhalt von sicherer Mobilität und einer selbständigen Lebensgestaltung trotz gesundheitlicher Einschränkungen. Ein gerade für alte Menschen hohes gesundheitliches Risiko durch Stürze wird mit der Einführung des Expertenstandards Sturzprophylaxe minimiert (vgl. DNQP 2005, 6f).

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Samariterstiftung eröffnen sich neue Chancen. Expertenstandards ermöglichen Pflegefachkräften in den Einrichtungen Lern- und Bildungschancen. Gerade durch diese werden Bildungsbedarfe sichtbar, die durch eine aktive Leitung aufgegriffen und durch gezielte Maßnahmen geschlossen werden können. Die Samariterstiftung geht diesen Weg und übernimmt für das Bildungs- und Leistungsniveau ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv Verantwortung. Sie fördert damit gleichzeitig die Qualitätsentwicklung in der Pflege (vgl. DNQP, 2005).

Abschließend erlaube ich mir, meinem persönlichen Dank an dieser Stelle Ausdruck zu verleihen. Ich freue mich sehr die Chance erhalten zu haben, dieses Projekt als Verantwortliche leiten zu dürfen. Hier gilt mein Dank Herrn Dr. Goll und Herrn Breuninger. Bedanken möchte ich mich auch bei einem sehr engagierten Projektteam und nicht zuletzt bei einer motivierten Einrichtung dem Samariterstift Zuffenhausen, das mit mir diese Entwicklungsschritte in Richtung pflegerische Qualitätsentwicklung gegangen ist.

Barbara Lauffer-Spindler ist Projektbeauftragte des Implementierungsprojekt Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege

Literatur:
Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) (Hrsg). (2005): Sonderdruck Expertenstandard „Sturzprophylaxe in der Pflege“
Schriftenreihe des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege, Osnabrück 
 


  

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