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Botschafter für Jesus Christus

Predigt in der Stadtkirche Pfullingen
aus Anlass der Einweihung des Wohn- und Pflegeverbunds Haus am Stadtgarten

Von Mininisterialdirektor Dieter Hackler
Leitung der Abteilung 3 - Ältere Menschen
Bundesministerium für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend

Über Johannes 10 Vers 11

Das Bildwort vom guten Hirten ist uns vertraut und fremd zugleich. Einerseits spricht es Grundsehnsüchte in uns an: Die Sehnsucht nach Sicherheit, nach Geborgenheit und nach Schutz. Andererseits haben wir heute keine rechte Vorstellung mehr von einem Hirten. Problematisch wird es, wenn wir das Hirtenbild auf Gott übertragen. Stellen wir uns Gott nicht ganz anders vor? Denken wir nicht eher an einen überlegenen Herrscher, als einen Mann, „der sein Leben lassen muss für seine Schafe“, wenn er sich den angreifenden Wölfen entgegenstellt. Der Hirte ist aller Weidenromantik zum Trotz ein Verlierertyp und kein Siegertyp und doch: Dieses Bild strahlt bei aller Armseligkeit Wärme aus. Und ich spüre, dass mit dem Bild des guten Hirten in mir etwas angesprochen wird, was mir gut tut, was mir Sicherheit gibt, Ermutigung auslöst und Zuversicht verleiht.

Vor einem Hirten habe ich keine Angst. Ihm kann ich mich ganz und gar anvertrauen, aber kann ich, können wir das wirklich, uns einem anderen ganz und gar anvertrauen? Wollen wir das? Schafe können das und Schafe müssen das, um zu überleben. Für sie ist das ganz normal. Mit einem guten Hirten können sie gut leben. Aber kann ich mich, können wir uns in der Nähe eines Hirten wirklich sicher fühlen, können wir hinnehmen, dass ein anderer für uns sorgt, dass wir auf einen anderen angewiesen sind?

Sehr unterschiedlich – je nach unseren persönlichen Erfahrungen – wird uns dies schwerer oder leichter fallen. Trotzdem hat jeder von uns Bilder von Hirten vor Augen, die versagt haben. Menschen, von denen wir uns etwas erwartet hatten und von denen wir auch etwas erwarten durften, von denen wir dachten, wir können uns auf sie verlassen, haben zu unserem Erschrecken versagt und versagen immer wieder und uns verlassen. Sie haben damit bei uns Welten zerbrechen lassen. Nach solchen Erfahrungen fällt es nicht leicht, sich wieder anderen anzuvertrauen und Hoffnung in andere zu investieren.

Doch genau dazu will uns dieses Bildwort vom guten Hirten ermutigen. Um zu leben, müssen wir Vertrauen wagen und Hoffnung haben können. Christus ist der gute Hirte, der gute Hirte für Heute und für unsere Zukunft. Wie ist er legitimiert?

Er ist der, der sein Leben gegeben hat für seine Menschen, für uns. Er ist der, der sein Leben in den Tod gegeben hat, damit wir ewiges Leben haben, leben in Geborgenheit bei Gott.

Dieses Christus sagt zu uns: Ich bin euer guter Hirte, ein Hirte, der wahrhaft für euch sorgt, so dass ihr leben könnt. Ich will mich bis zum Letzten für euch einsetzen, ich will euch suchen, wenn ihr euch verirrt habt, wenn ihr euch von mir entfernt habt. ich überlasse euch nicht euch selbst, wie sehr ihr euch auch verrannt haben mögt in eure Planungen und Ideen. Ich werde euch nachgeben und euch bergen.

Diesem guten Hirten geht es nicht um macht und Einfluss, nicht um seinen Vorteil, sondern um unser Leben in dieser Welt. Er will uns zum Leben befähigen und uns aus unseren Engführungen herausholen.

Liebe Gemeinde, auf diesen guten Hirten können wir uns verlassen, so sehr, dass wir es wagen können, aufzubrechen aus unseren ungesicherten Positionen, aufzubrechen, um diese gute Nachricht für das Leben der Menschen auf dieser Welt mit Worten und Taten zu verbreiten. Dieser gute Hirte will nicht nur gefeiert werden, wie wir es an diesem Sonntag tun. Dieser gute Hirte sucht Nachfolgerinnen und Nachfolger. Menschen die Verantwortung übernehmen – Verantwortung füreinander – Menschen, die nicht nur Bewohnerinnen und Bewohner einer Stadt sind, sondern Bürgerinnen und Bürger, die diese Verantwortungsrolle wahrnehmen, die dafür Sorge tragen, dass Leben in Geborgenheit schon jetzt für Menschen aller Generationen möglich zu erfahrbar ist und wird.

Wenn ich das richtig sehe, dann ist das „Haus am Stadtgarten“ ein Beispiel dafür, dass Menschen in der Nachfolge des guten Hirten, Verantwortung für andere übernehmen, dass das Leben in der Gemeinschaft in allen Generationen und auch im Pflegefall in Geborgenheit möglich ist.

Es steht für eine richtige und zugleich moderne Konzeption von Pflege und Betreuung. Es setzt auf eine durch Teilhabe der Menschen gekennzeichnete Betreuung. Es steht für eine neue und notwendige Kultur der Zusammenarbeit. Ohne die Kooperation wie die der Samariterstiftung, der Stadt Pfullingen, des Bürgerbüros und des Siedlungswerkes wird eine tragfähige, auf Mitwirkung bauende und auf Bevormundung verzichtender Altenhilfe der Zukunft nicht möglich sein. Sie setzen auf die Einbindung der Einrichtung in das Leben der Gemeinde. Das ist das A und O für die Zukunft, wenn wir menschenwürdige Pflege und ein Miteinander der Generationen gewährleisten wollen. Unsere Einrichtungen brauchen dazu die aktiven Bürgerinnen und Bürger. Sie können das nicht ohne die aktive Mitverantwortung und Mitwirkung von uns allen leisten.

Ich freue mich sehr, dass Sie den Mut gefunden haben, ein mit 32 Plätzen eher kleines Haus zu errichten. Und dass es Ihnen gelungen ist, die Apartments so zu gestalten, dass Hilfe und Betreuung, aber auch Individualität und Intimität möglich sind. Ich weiß, wie klar in der Nachfolge des guten Hirten die Samariterstiftung mit Ihren Angeboten in unserer Gesellschaft Positionen für die Menschen bezieht und Verantwortung übernimmt, für ein Leben in Geborgenheit und darum bin ich heute gerne zu Ihnen zur Einweihung gekommen.

Ich gratuliere Ihnen allen, den Bauleuten, den Ingenieuren und Architekten, aber vor allem den Bürgerinnen und Bürgern und den Menschen, die in diesem Haus Heimat finden, zu diesem Projekt. Es ist ein Beispiel für eine bergende Verantwortungsgesellschaft, die die ausgestreckte Hand als Leitbild hat, eine Gesellschaft, die sich füreinander verantwortlich weiß und diese Verantwortung wahrnimmt.

Liebe Gemeinde! Der gute Hirte, Jesus Christus, sucht Nachfolgerinnen und Nachfolger. Menschen, die seine Botschaft verkünden und mit Worten und Taten dafür einstehen, dass menschliches Leben unter göttlichem Schutz steht. Wir sind eingeladen, Botschafterinnen und Botschafter dieser guten Nachricht zu sein – auch dann, wenn wir immer wieder einmal versagen – wir können und sollen seine Botschafter sein, Botschafter des Lebens, der ‚Freude, de Hoffnung, der Zuversicht und der Liebe.

Ich wünsche Ihnen und uns allen, dass wir dazu immer wieder die Kraft und den Mut finden. In diesem Sinne wünschen dem Haus am Stadtgarten, der Samariterstiftung, der Stadt Pfullingen, der Gemeinde und Ihnen allen Gottes reichen Segen. Amen. 
 


  

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